Angst und Angststörungen: Unterschied und was man tun kann

Jeder Mensch hat hin und wieder Angst vor etwas. Das ist eine normale Reaktion auf eine unbekannte, eine unsichere oder auf eine überraschende Situation.

Menschen haben häufig Angst vor bestimmten Tieren, sie haben Flugangst, Platzangst, Höhenangst, Lampenfieber, Angst vor Schmerzen, Verlust oder vor Naturkatastrophen. Wer mehr über Angst und Angststörungen weiß, kann sie frühzeitig erkennen, bekämpfen und die negativen Folgen für den Alltag abwenden.

Definition: Was ist Angst?

Angst ist ein unangenehmes Gefühl, die Vorahnung einer Gefahr oder einer Bedrohung. Angst bedeutet Stress,1 sie versetzt den Menschen in ein Gefühl der Unruhe, der Anspannung und des Ausgeliefertseins. Doch Angst ist auch ein nützliches Gefühl. Sie schützt uns vor unserem eigenen Leichtsinn und kann uns in gefährlichen Situationen das Leben retten. Angst bewahrt uns also auch vor Verletzungen und Schlimmerem.

Was unterscheidet die Angst von der Furcht?

Im Gegensatz zur Furcht ist die Angst ein noch unbestimmtes Gefühl. Angst entsteht zum Beispiel, wenn wir in einen dunklen Keller gehen oder wenn wir im Haus ein unbekanntes Geräusch hören. Wir wissen noch nicht, ob wirklich eine Bedrohung vorliegt, haben aber ein ungutes Gefühl. Furcht dagegen ist konkret und in der Regel auch begründet: Begegnen wir im Keller einem Einbrecher, womöglich noch mit einer Waffe, dann fürchten wir uns.

Wie äußert sich Angst?

Die körperlichen Kennzeichen von Angst kennen wir alle: höhere Atemfrequenz, erhöhter Herzschlag, starkes Schwitzen (Angstschweiß), Zittern von Händen oder Knien und oft kommt ein Schwindelgefühl dazu. Extreme Angst oder eine Angstattacke kann ein beengendes Gefühl in der Brust auslösen, verbunden mit Atemnot, und mit Einnässen einhergehen. Als ein mögliches Symptom unterdrückter Ängste kennen wir das nächtliche Einnässen, was Kinder und Erwachsene gleichermaßen betreffen kann. 

Die psychischen Symptome anhaltender Angst können sein:

  • Gefühle der Unruhe
  • Niedergeschlagenheit
  • Rastlosigkeit
  • schnelle Verärgerung, Gereiztheit
  • Nervosität

Auch Schlafstörungen und Depressionen können sich als Folge ständiger Ängste einstellen.

Definition: Was ist eine Angststörung?

Wie wir gesehen haben, ist das Gefühl der Angst generell eine normale Reaktion. Jeder Mensch empfindet Ängste. Doch einige Menschen fühlen die Angst zu lang, zu stark und so intensiv, dass sie zunehmend den Alltag belastet und irgendwann sogar beherrscht. Betroffene können die Gedanken an ihre Ängste und Sorgen einfach nicht mehr stoppen. Ihre Gedanken kommen nicht zur Ruhe, sie können nicht entspannen. Das bedeutet Dauerstress.

Irgendwann kann eine Person mit übersteigerter Angst ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen. So stark ausgeprägte, chronische Ängste nennt man Angststörung. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Im Wesentlichen unterscheidet die Psychologie sechs verschiedene Arten der Angststörung:2

  1. die generalisierte Angststörung (GAD)
  2. die soziale Angststörung oder auch Soziophobie
  3. spezifische Phobien
  4. die Zwangsstörung
  5. die posttraumatische Belastungsstörung: PTBS
  6. die Panikstörung

Die generalisierte Angstsstörung
Unter einer generalisierten Angststörung leidet ein Mensch, der über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten aus verschiedenen Gründen Ängste verspürt. In dieser Zeit ist der Mensch ständig besorgt, angespannt und durchleidet häufig oder ständig die körperlichen und psychischen Symptome der Angst. 

Die soziale Angststörung oder auch Soziophobie
Eine Soziophobie betrifft den Umgang mit anderen Menschen. Betroffene einer sozialen Angststörung befürchten, dass die Mitmenschen sie seltsam oder peinlich finden und auf sie herabblicken. Menschen mit einer sozialen Phobie haben Angst vor Kritik, vor Entwürdigungen, Beleidigungen, Bloßstellungen oder sonstigen Kränkungen. Sie empfinden ihr eigenes Verhalten als peinlich, ebenso wie ihre körperlichen Reaktionen auf ihre Ängste wie zum Beispiel das Erröten oder das Schwitzen. Diese Gefühle sind so stark, dass Menschen mit einer sozialen Angststörung sich oft völlig zurückziehen.

Schüchternheit allein ist noch keine Soziophobie. Schüchterne Menschen ziehen sich nicht gänzlich von allen Menschen zurück. Ihre Schüchternheit bezieht sich meist nur auf fremde Personen. Im vertrauten Umfeld erkennt man ihre Schüchternheit oft gar nicht.

Spezifische Phobien
Eine spezifische Phobie bezieht sich auf ein bestimmtes Objekt, wie zum Beispiel eine Spinne, oder auf eine bestimmte Situation, wie zum Beispiel die Enge in einem Fahrstuhl. Weit verbreitete Phobien sind:

  • die Angst vor großen Plätzen oder Gedränge, die Agoraphobie
  • die Flugangst oder Aviophobie
  • die Angst vor Enge, also Platzangst oder Klaustrophobie
  • die Höhenangst oder auch Akrophobie
  • Angst vorm Zahnarzt, die Dentophobie

Laut ICD-10, der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, gibt es auch zahlreiche seltene, kurios anmutende, aber real empfundene Phobien wie

  • die Angst vor Obst und Gemüse, die Lachanophobie
  • die Angst vor der Zahl 4, die Tetraphobie
  • die Angst vor Mustern aus Löchern oder Blasen, die Trypophobie

Die Zwangsstörung
Die wohl bekanntesten Zwangsstörungen sind der Kontrollzwang, die mehrfache Kontrolle zum Beispiel, ob der Herd ausgeschaltet ist, und der Waschzwang, das häufige und intensive Waschen der Hände und/oder der Kleidung.

Doch woher kommt eine Zwangsstörung? Die Betroffenen erinnern sich an schlimme Erlebnisse aus der Vergangenheit. Alte Ängste kommen aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche und lassen den Menschen nicht mehr los. Der Betroffene ist sich der Sinnlosigkeit dieser Ängste bewusst, es gelingt ihm jedoch nicht, mit „normalen“ Mitteln dagegen zu steuern. Eine zwanghafte Handlung oder ein Ritual ist sein Ausweg, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen und erträglicher zu machen.

Die posttraumatische Belastungsstörung: PTBS
Traumatische Erlebnisse wie Krieg, Flucht oder Vertreibung, der Verlust einer geliebten Person, ein Unfall, ein Überfall oder ein Einbruch sind für jeden Menschen eine starke psychische Belastung. Dass mit so einem Erlebnis bestimmte Reaktionen, Empfindungen und Handlungen einhergehen, ist zu erwarten und in einem gewissen Rahmen auch normal. Geschieht dies aber über einen ungewöhnlich langen Zeitraum, kann eine posttraumatische Belastungsstörung, abgekürzt PTBS, vorliegen. Ab einem Monat andauernder Symptome wird eine PTBS diagnostiziert.

Symptome einer PTBS sind die bekannten Flashbacks, also das unwillkürliche Wiedererleben der traumatischen Erfahrung oder auch das ständige ungewollte Erinnern dieser Erlebnisse, die sogenannten Intrusionen. Eine gestörte Gefühlslage bis hin zur emotionalen Starre oder Gefühlstaubheit sind weitere psychische Symptome. Körperlich äußert sich eine posttraumatische Belastungsstörung oft durch Schlaflosigkeit und Anfälligkeit für Infekte und andere Erkrankungen. Oft geht auch der Missbrauch von Suchtmitteln mit einer PTBS einher.

Die Panikstörung
​​​​​​​Eine Panikattacke tritt plötzlich auf und kann einige Minuten dauern, die den Betroffenen wie eine Ewigkeit vorkommen. Panikattacken sind nicht kontrollierbar und versetzen die betroffene Person schlagartig in eine extreme Angst, die bis hin zu Todesangst gehen kann. Kennzeichen einer Panikattacke sind starkes Schwitzen, Schwindel, Herzrasen, Atemnot, Enge oder Schmerzen in der Brust. Diese Gefühle können so stark werden, dass der Betroffene glaubt, einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu sterben. Panikattacken treten in schlimmen Fällen mehrmals in der Woche auf.

Bei Panikattacken muss man sich frühzeitig Unterstützung holen, da sie nicht von allein wieder verschwinden. Ohne Therapie würden die Angstattacken schnell das ganze Leben bestimmen. So meiden Menschen, die Panikanfälle erleben, immer mehr Situationen, die ihnen Angst machen, und geraten bisweilen in völlige soziale Isolation.

In welchem Alter entwickeln sich Ängste?

Laut Christoph Correll, Direktor der psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche der Charité Berlin, entstehen drei Viertel aller psychischen Erkrankungen bereits vor dem 24. Lebensjahr.

Die Hälfte der psychischen Erkrankungen entstehen sogar schon vor dem 14. Lebensjahr. „Insbesondere in der Zeit des Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalters, in der sich das Hirn noch stark und wir uns biologisch und psychosozial weiterentwickeln, ist die Anfälligkeit für solche Erkrankungen sehr hoch“, so Christoph Correll im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel.3 Zu den am weitesten verbreiteten Ängsten bei Kindern gehört die Schulphobie.

Selbsttest: Leide ich unter einer Angststörung?

Phobie, Furcht, Panik, Angststörung, Zwangsstörung, posttraumatische Belastungsstörung - es gibt viele Begriffe, die eine Angst ausdrücken. Wer seine Ängste richtig einordnen und bewerten will, sollte die verschiedenen Begriffe voneinander abgrenzen können. Denn, wie wir schon gesehen haben, hat Angst auch eine schützende Funktion, sollte und kann nicht völlig aus dem eigenen Leben verbannt werden.

Wird die Angst jedoch zu einer Belastung im alltäglichen Leben, dann ist es Zeit für eine Ursachenforschung. Nur so kann man irrationale Ängste überwinden.

Es gibt im Internet zahlreiche Selbsttests mit dem Ziel, eine Angststörung zu erkennen. Die meisten dieser Online-Tests orientieren sich am sogenannten PHQ-D. So auch der Selbsttest zu Angststörungen der Bundeswehr.4

Der PHQ-D ist ein Fragebogen für Patienten zur psychologischen Diagnostik in der klinischen Praxis, in der Forschung sowie der Epidemiologie. Ein Teil dieses Gesundheitsfragebogens enthält Fragen, die sich mit der Erkennung einer generalisierten Angststörung oder einer Panikstörung befassen. 

Selbsttests können nur einen ersten Anhaltspunkt für eine behandlungsbedürftige Krankheit liefern. Darum empfehlen wir, bei ersten Anzeichen einer Angststörung einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen.

Was kann man gegen Angst tun?

Zunächst einmal ist es wichtig, sich ganz sicher zu sein, dass keine Angststörung vorliegt. Eine Angststörung wird ärztlich diagnostiziert und sollte ärztlich therapiert werden. Gegen Ängste, die uns zwar belasten, die aber keine der vorgestellten Angststörungen darstellen, kann man selbst etwas unternehmen. Stellt sich keine Linderung ein, empfehlen wir, sich einem Arzt oder einer Ärztin vorzustellen.

Medial geschürte Angst
Jeder, der im Fernsehen Nachrichten ansieht oder sie im Radio hört oder sich an einem Zeitungskiosk oder in den sozialen Netzwerken umschaut, kennt das: Meldungen mit dramatisierenden Überschriften schüren täglich viele Ängste. Doch oft geht es hierbei vornehmlich um wirtschaftliche Interessen:

  • um Zuschauer- oder Zuhörerzahlen,
  • um Zeitungsverkäufe oder
  • um die begehrte Reichweite im Internet durch möglichst viele Klicks.

Hier hilft es, sich zusätzlich aus anderen, neutraleren Quellen zu bedienen. Wissenschaftliche Websites, Magazine, Podcasts, Videos oder andere hochwertige Formate helfen dabei, scheinbar bedrohliche Lagen gedanklich zu entschärfen oder ihnen zumindest eine andere, wissenschaftlich basierte Deutung zu verleihen.

Angst wegen persönlicher Umstände
Angst überfällt uns auch manchmal, wenn wir zum Beispiel an unsere wirtschaftliche Zukunft wie unsere Alterssicherung denken, wenn wir einen Verlust fürchten oder wenn wir vor einer schweren Entscheidung stehen. Auch Prüfungsangst, finanzielle Unsicherheit,gesundheitliche Veränderungen und Existenzangst tragen häufig dazu bei, dass Menschen unter Angstgefühlen leiden. Doch was hilft schnell gegen solche Ängste? Hier kann es helfen, wenn man sich die Situation in Ruhe und detailliert bewusstmacht:

  • Was weiß ich genau?
  • Wo bekomme ich weitere Informationen?
  • Was kann mir schlimmstenfalls passieren?

Angst als Stresssymptom
Da die Angst eines von vielen Stresssymptomen ist, hilft es, wenn man die Ursache, also den Stress bekämpft. Kurz gesagt entsteht Stress, wenn auf Phasen der Anspannung keine oder zu kurze Phasen der Entspannung folgen. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, baut der Stress sich auf: Das Erregungsniveau wird immer höher, was auch zu Ängsten führen kann. Beim Stressabbau helfen regelmäßige Phasen der Entspannung. Mehr zum Thema „Stress“ lesen Sie hier.

Entspannung erreicht man zum Beispiel durch:

  • Sport und Bewegung
  • Meditation und Achtsamkeit
  • gesunde Ernährung
  • Atementspannung
  • progressive Muskelentspannung

Welche Medikamente helfen bei einer Angststörung?

Laut der Deutschen Apotheker Zeitung hilft eine medikamentöse Therapie hauptsächlich bei einer Panikstörung, bei einer Soziophobie oder bei der generalisierten Angststörung. Die wohl bekannteste Wirkstoffgruppe sind die Benzodiazepine wie zum Beispiel Diazepam, das häufig in der Therapie gegen Depressionen eingesetzt wird. Eine Tabelle mit Wirkstoffen, Indikationen und einigen möglichen Nebenwirkungen gibt es in diesem Artikel über Medikamente gegen Angst.6

Verhaltenstherapie bei Angst und Angststörungen

Irrationale Ängste wie eine Flugangst oder die Angst vor Schlangen kann man mit einer kognitiven Verhaltenstherapie in den Griff bekommen. In der Therapie wird zunächst der Entstehung der Angst auf den Grund gegangen. Dann stellt sich der Patient seiner Angst mehr und mehr und kommt schließlich zu einer neuen objektiveren Bewertung der scheinbar so bedrohlichen Situation.

Quellenangaben

1Stress: Was ist Stress und was kann man tun?“: Eigener Artikel auf nervoregin.de zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

2„Angst – normales Gefühl oder doch eine seelische Störung?“: https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/angststoerungen#, zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

3Interview mit Christoph Correll, Direktor der psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche der Charité Berlin, im Tagesspiegel, Berlin: https://www.tagesspiegel.de/wissen/angststoerung-und-panikattacken-75-prozent-der-psychischen-erkrankungen-vor-dem-24-lebensjahr/25900350.html, zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

4Selbsttest zu Angststörungen der Bundeswehr: https://www.bundeswehr.de/de/betreuung-fuersorge/ptbs-hilfe/ptbs-test/angststoerung-online-test, zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

5PHQ-D, kompletter Fragebogen der Uniklinik Heidelberg: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Psychosomatische_Klinik/pdf_Material/PHQ_Komplett_Fragebogen1.pdf, zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

6„Wann Medikamente gegen Angst helfen können“: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2009/daz-8-2009/wann-medikamente-gegen-angst-helfen-koennen, zuletzt abgerufen am 22. März 2021.

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